Gedenkstättenfahrt zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz!

Veröffentlicht am 21.06.2015 in AntiFa/Migration

Gespräch mit der Zeitzeugin Esther Bejarano, mit Theresa Nöth, Lukas Stollner und Danielle Gömmel.

Von 17.06. bis 21.06.2015 waren Danielle Gömmel (NM) und der Juso Kreisverbandsvorsitzende von Amberg-Sulzbach Lukas Stollner aus dem Vorstand des Juso Unterbezirk Amberg-Sulzbach-Neumarkt zusammen mit über 1000 Jugendlichen aus ganz Europa und Israel auf Gedenkstättenfahrt in Polen unterwegs.

Die Fahrt wurde von dem Bündnis „Dass Auschwitz nie wieder sei“ in dem sich neben den Jusos auch die DGB-Jugend, der Bund der Katholischen Jugend, die Evangelische Jugend, die Grüne Jugend, die Linksjugend, die DIDF-Jugend, das Jugendwerk der AWO, die Naturfreundejugend, die Österreichische Gewerkschaftsjugend, die Falken und die HISTADRUT aus Israel zusammengeschlossen haben anlässlich der Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz vor 70 Jahren durchgeführt.

Das Bündnis hat sich zusammengeschlossen um gemeinsam zu erinnern, zu gedenken und die Verantwortung der Jugend an die Jugend zu vermitteln. Das Zitat des Philosophen Theodor W. Adorno von 1966: „Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, dass ich weder glaube, sie begründen zu müssen noch zu sollen.“, ist nicht nur das Motto, sondern auch das Ziel des gleichnamigen Bündnisses, nach dem sich das Handeln der zusammengeschlossenen Verbände und Organisationen auch zukünftig ausrichten soll.

 

Auf der Fahrt wurden das Stammlager Auschwitz, das Lager Auschwitz-Birkenau und Auschwitz-Monowitz in Führungen besichtigt. Außerdem standen eine Stadtbesichtigung über das Leben der Juden in Krakau und die Besichtigung der Schindler-Fabrik auf dem Plan.

Am Freitagnachmittag fand eine Gedenkzeremonie am Mahnmal im Lager Auschwitz-Birkenau statt um der vielen Opfer zu gedenken, persönliche Geschichten zu hören und Blumen nieder zu legen.

Am Samstag wurde in Workshop zu den Themen von Jugendwiderstand, Widerstand im Nationalsozialismus, Vernichtung durch Arbeit – auf den Spuren der I.G. Farben und des ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz III Monowitz, Faschismustheorieen, Sexzwangsarbeit im KZ, Homosexualität im Nationalsozialismus, Grundlagen des Antisemitismus, Wo war Gott in Auschwitz? bis hin zum aktuellen Rechtspopulismus diskutiert und aufgearbeitet.

Der außergewöhnlichste Moment der Reise war der Vortrag der Zeitzeugin Ester Bejerano. Die 91jährige ehemalige Gefangene des Lagers Auschwitz-Birkenau erzählte auf berührende Weise von ihrer Lebensgeschichte und wie sie das KZ als Musikerin im Lagerorchester überlebt hat. Eine beeindruckende, selbstbewusste und starke Frau, die heute mit ihrer Rap-Band Microphone-Mafia um die Welt reist und sich u.a. mit ihrer Musik gegen Rechtsextremismus engagiert.

Zu glauben, mit der Nazi-Zeit nichts mehr zu tun haben zu müssen, oder sich nicht sonderlich dafür zu interessieren, ist falsch. Nicht nur weil die Täter der Generation unserer Groß- und Urgroßeltern entstammen, ist es unsere Verantwortung, die Erinnerung an die grausamen Verbrechen der Nazis wachzuhalten.

Es ist auch unsere Verantwortung nie zu vergessen, dass es Deutsche waren, die die Juden Europas deportierten und ermordeten. Es ist auch unsere Verantwortung sich mit den Mechanismen von Ausgrenzung und Verfolgung auseinanderzusetzen, allen rechten Bewegungen entgegenzutreten und zu verhindern, dass sich dieses dunkelste Kapitel wiederholen kann.

Denn: der Umgang mit der Erinnerung an den Nationalsozialismus verändert sich. Die nachfolgenden Generationen werden in ihren Familien niemanden mehr erleben, der oder die den zweiten Weltkrieg miterlebt hat. Die Gespräche mit Zeitzeugen, die aktuell in der Schulzeit fest eingeplant sind, sind heutzutage kaum noch möglich. Die meisten derer, die heute als Überlebende die Reise zur Gedenkzeremonie nach Auschwitz angetreten haben, waren als Kinder und Jugendliche in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern und sind heute im hohen Alter.

So werden die Unmenschlichkeit und die industrielle Ermordung von Millionen Menschen bald nicht mehr unmittelbar persönlich greifbar sein. Schon heute kommt immer mehr persönliches Wissen zum Nationalsozialismus aus Filmen und Reportagen. Umso wichtiger ist es, mit Gedenkstättenfahrten und dem Besuch von Auschwitz, Bergen-Belsen, Dachau, Theresienstadt und all den anderen Konzentrationslagern der Unvorstellbarkeit der Tötungsmaschinerie eine Gestalt zu geben.

Hierzu ergänzt Lukas Stollner abschließend: „Der Gang an den Baracken und Gaskammer-Ruinen in Auschwitz-Birkenau ist schwer zu beschreiben. Er ist einschüchternd, er ist verstörend und er wird mich für immer prägen. Wie viel unfassbarer wird jedwede Vorstellung der Judenverfolgung, wenn man die Gleise und Gebäude sieht, die nur zum Morden gebaut worden sind. Mehr als 1,1 Millionen Menschen, davon mehr als 1 Millionen Jüdinnen und Juden, wurden hier ermordet. 900.000 der Deportierten kamen direkt aus den Zügen in die Gaskammern.“

Für uns Jusos ist es deshalb wichtig, neben unserer alltäglichen antifaschistischen Arbeit, die Besinnung auf die Verbrechen, Entwicklungen und die unzähligen Opfer des Faschismus wieder stärker in unsere Arbeit integrieren. Es ist unsere Aufgabe immer wieder aufzuzeigen, wohin Rassismus, Ausgrenzung und Unmenschlichkeit führen können.

Etwas mehr als die Hälfte aller Deutschen hat schon mal eine KZ-Gedenkstätte besucht - es ist immer noch zu wenig. Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Dazu gehört es, mit eigenen Augen zu sehen, wahrzunehmen und das Unbegreifbare greifbar zu haben. Wer hier war, vergisst es nicht.

„Dass Auschwitz nie wieder sei“!

 
 

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